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Diagnostik

Ob eine ADHS-Erkrankung vorliegt, kann nur von einem mit der Materie betrauten Arzt oder Kinder- und Jugendpsychiater geklärt werden. Die Diagnose selbst fällt schwer, da die Leitsymptome völlig normale Erscheinungen in Entwicklungsphasen des Vorschulalters sind. Hier kommt es auf die Intensität an.

Ein weiteres Problem wurde von Manfred Döpfner (Universitätsklinik Köln) studientechnisch dargestellt:31% der Jugendlichen im Test wiesen einzelne Symptome auf, die notwendige Kriterienanzahl erreichten lediglich sechs Prozent.

ADHS ist kompliziert zu diagnostizieren. Die drei Leitsymptome (Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivität, Impulsivität) müssen mindestens sechs Monate bestehen. Außerdem müssen Differentialdiagnosen und bestehende Krankheiten berücksichtigt werden. Hierzu gehören zum Beispiel Angst- oder Zwangsstörungen sowie Depressionen.

Weiterhin müssen für eine seriöse Diagnose mehrere „Ebenen“ befragt werden, was den Vorgang verkompliziert. Dazu gehören neben der Befragung des Kindes auch die Befragung der Eltern und Lehrkräfte. Für Fremdurteile gibt es eine Fülle von Fragebögen. Hierzu gehört beispielsweise der Screening-Bogen für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS-Bogen), mit dessen Hilfe Hinweise auf AD(H)S sowie deren Begleiterscheinungen erfasst werden sollen. Hierbei werden die beiden Lebensbereiche Familie und Kindergarten bzw. Schule auf einer jeweils vierstufigen Antwortskalen getrennt betrachtet.

Des Weiteren interessant in diesem Zusammenhang ist die DCL-ADHS (Diagnose-Checkliste für Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörungen). Dieses Diagnosesystem (DISYPS-II) baut auf drei Beurteilungsebenen auf:

  1. Der klinischen Ebene (Diagnosechecklisten, DCL)
  2. Der Ebene der Fremdurteile durch Eltern, Lehrkräfte bzw. Kindergärtner/Erzieher (Fremdbeurteilungsbögen, FBB)
  3. Der Ebene des Selbsturteil des Kindes, allerdings erst ab elf Jahren (Selbstbeurtei-lungsbögen, SBB)

Die Klassifikation vom Arzt kann durch zwei verschiedene international anerkannte Systeme durchgeführt werden. ICD-10, die eine Methode, unterscheidet weitgehend in vier Krankheitsbilder:

  • Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung:Die Kriterien der hyperkinetischen Störung sind erfüllt, eine Störung des Sozialverhaltens liegt nicht vor, allerdings eine Störung der Aktivität und Aufmerksamkeit
  • Hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens:Sowohl die Kriterien einer hyperkinetischen Störung sind erfüllt, ebenfalls liegt eine Störung des Sozialverhaltens vor
  • Hyperkinetische Störung, nicht näher bezeichnet:Sind allgemeine Kriterien erfüllt, aber eine Unterscheidung in die Gruppen ist nicht möglich, wird diese Diagnose gestellt.
  • Sonstige näher bezeichnete Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend, darunter unter anderem auch Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität

Unterdessen unterscheidet DSM-IV nur in drei ADHS-Erscheinungsbilder:

  • ADS, kombinierter Typ mit allen drei Leitsymptomen
  • ADS, vorwiegend hyperaktiv-impulsiv
  • ADS, vorwiegend unaufmerksam

Wichtig ist, dass die Symptome nicht nur in einem für den Entwicklungsstand des Kindes angemessenen Ausmaß vorhanden sind, sondern über dieses Maß hinausgehen.

Dem Arzt stehen verschiedene diagnostische Verfahren zur Verfügung. An erster Stelle steht wie immer die Anamnese. Hier wird die Familiensituation beobachtet, psychische Erkrankungen sowie Alkohol- und Drogenmissbrauch beobachtet und analysiert. Zur Anamnese gehören auch Kriterien wie Schwangerschaft und Geburt sowie Vorerkrankungen. Um diese Informationen zu erhalten, werden Eltern, Lehrkräfte und sonstige Bezugspersonen befragt, nicht zuletzt durch die beschriebenen Fragebögen. Zur Diagnose gehört auch eine umfassende Verhaltensbeobachtung und in machen Fällen auch Videoaufzeichnung um den Eltern die Untersuchungsergebnisse anhand von Reaktionen und Gestik sowie Mimik vorführen und später einen Vergleich zum Demonstrieren eines Behandlungserfolgs vorweisen zu können. Um ADHS von anderen Krankheitsbildern abzugrenzen ist ein klinischer Untersuchungsbefund unverzichtbar, genauso wie andere psychologische Untersuchungen, die ADHS von beispielsweise verringerter Intelligenz separieren sollen.

Falls Sie bei Ihrem Kind oder sich selbst ADHS vermuten, suchen Sie einen Arzt auf, der sich mit der Materie auskennt und Ihnen weiterhelfen kann.

Der AD(H)S-Betroffene kann möglicherweise uninteressiert, faul, arrogant oder dumm auf sein Umfeld wirken. Des Weiteren steht er in der Gefahr, in der Schule zu versagen und erhält dauerhaft Sanktionen und damit Rückweisung durch Lehrer bzw. Eltern. Diese Schwierigkeiten senken die Motivation und führen häufig zu selbst gewollter Isolation sowie schlechteren Schulabschlüssen und damit auch einer Karriere unter den eigentlichen Möglichkeiten.

Die beschriebenen Folgen bei nicht-Diagnostizieren treten dennoch häufig auch nach einer Diagnose auf, da die anschließende Betreuung und Kooperation Seitens der Behandelnden mit dem Umfeld des Kindes/Betroffenen fehlt. Hier setzt die neuro.ability-Strategie des Bildungszentrums für Hyperkinetik an.

 


 


 

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